Historie & Erfolge
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Die Geschichte des MGV “Jugendfreunde”

Schon vor mehr als 40 Jahren standen nahezu alle Gesangvereine vor  einem  Problem: dem Mangel an jungen Nachwuchssängern, welche das  Weiterbestehen der oft traditionsreichen Vereine sichern sollen. Meistens  versuchten die Chöre intern durch entsprechende Jugendarbeit, Gründung von  Kinderchören etc. diesem Problem zu begegnen. In der  Chorgruppe  Herborn des Dill-Sängerbundes versuchte man seinerzeit auf Initiative des  damaligen Herborner Chorleiters Ernst Schleich einen anderen Weg zu gehen - den einer überörtlichen  Jugendarbeit auf der Ebene der Chorgruppe. Dies sollte es ermöglichen,  durch speziell auf die Jugendlichen ausgerichtete Chorliteratur besser auf  sie eingehen zu können.

So kamen am 11. März 1970 in Herborn Jugendliche aus den Gesangvereinen Herborn, Burg und Uckersdorf auf seine Einladung zusammen, um erstmals  gemeinsam zu singen. Man war sich seinerzeit dabei zunächst nicht darüber  im klaren, dass dies die Geburtsstunde eines Chores sein  sollte, welcher  heute bereits auf über 40 Jahre des erfolgreichen Bestehens blicken kann.  Das man diese Entwicklung selbst in den kühnsten Träumen nicht vorhersah,  kann daraus gesehen werden, dass  seinerzeit kein formaler Gründungsakt  vollzogen wurde, sondern der Chor ohne Vereinsstatus zu besitzen, sich als  “Jugendchor der Chorgruppe Herborn” darstellte.

Der Gründung des Chores wurde seinerzeit nicht ohne Skepsis begegnet.  Dem durchaus nicht unbegründeten Argument der Kritiker, die Gründung eines  eingenständigen Jugendchores ziehe die Jugendlichen von ihren  Heimatvereinen ab, wurde durch die Regelung begegnet, dass nur Sänger  aufgenommen wurden, die bereit waren, bei ihren bisherigen Vereinen  mitzuwirken. Unter dieser Bedingung erteilte die Chorgruppe Herborn unter  dem damaligen Gruppenvorsitzenden und  Jugendbeauftragten des  Dill-Sängerbundes Anton Kreutner ihr Einverständnis zu diesem  Experiment.

Während ihrer ersten Schritte wurden die jungen Sänger tatkräftig durch  die “alten” Vereine unterstützt. Der Uckersdorfer GV “Cecilie” stellte  sein Klavier im Saal des Gasthauses Kloes, Uckersdorf, für die Proben zur  Verfügung, andere Vereine halfen mit Noten aus. Da außerdem ihr Chorleiter  Ernst Schleich auf sein sonst übliches Dirigentenhonorar verzichtete,  waren zumindest die materiellen Voraussetzungen zum Bestehen des  Jugendchores gesichert.

Nach einem halben Jahr “Anlaufzeit” trat der Chor zum ersten Mal vor   fachkritischem Publikum am 24. Oktober 1970 beim Gruppenkonzert der  Chorgruppe Herborn im Bürgerhaus Burg auf. Die heimische Presse berichtete  darauf:       “Aus der Hand  legte der  Kritiker die Feder, beeindruckt von dem, was der Jugendchor mit Sängern  zahlreicher Dillkreisgemeinden als Auftakt des zweiten Programmteils bot:  begeisternde Klänge in mitreißendem  Schwung. Begleitet von interessanten  Illuminationseffekten wurde Fischers “Wenn ich ein Glöckchen wär’” zum  ersten Erfolg. Transparent das Wechselspiel in den Stimmen, ungeteilt und  doppelt der  Beifall. Würdigte die junge Chorgemeinschaft, die an diesem  Konzertabend ihr eigentliches Debüt gab, mit dem Spielmann (Kraemer) den  klassischen Volksliedsatz, so stand das berühmte “Glory Hallelujah” von  Gus Anton im markanten Kontrast dazu. Chorleiter Schleich ist dieser  Erfolg zuzuschreiben. Dank seiner rührigen Initiative und der geschickten  Zusammenstellung überdurchschnittlich guter Stimmen stand hier ein Chor  vor den Zuhörern, der einer erfolgreichen Zukunft gewiss sein  darf.”

Was die Prophezeihung im letzten Satz dieses Presseartikels über die  Zukunft  des Chores anging, sollte der Reporter recht behalten. Nur zwei  Wochen später, am 6. November 1970, hatten die mittlerweile 24 Sänger  einen weiteren großen Auftritt. Sie gestalteten ein Festkonzert anlässlich  der vom MGV “Sangesfreunde” Siegen-Kaan-Marienborn veranstalteten  “Siegener Liedertage” neben dem MGV “Liederkranz” Herborn, dem GV  “Gutenberg” Burg und dem Chor der Schwesternvorschule Herborn mit.

Dies war nur der Auftakt für die folgenden zahlreichen weiteren  öffentlichen  Auftritte des Chores. So sang er u. a. bei einer  Freisprechungsfeier der Handwerkskammer, Altenfeiern oder  Arbeiterwohlfahrt und des Deutschen Roten Kreuzes, er gab ein Ständchen im  Herborner  Krankenhaus, gestaltete das Rahmenprogramm der “Woche der  Jugend” 1970 mit und besuchte zahlreiche Sängerfeste umliegender Vereine.  Im Mai 1971 wurde er von dem bekannten Komponisten Wolfgang Lüderitz nach  Porz bei Köln eingeladen, um mit dem dortigen Männergesangverein ein  öffentliches Singen zum “Tag des deutschen Liedes” zu veranstalten.

Der Jugendchor hatte sich in kurzer Zeit etabliert und man konnte mit  Genugtuung feststellen, dass das von Ernst Schleich gewagte Experiment  gelungen war. Nachdem bis dahin vom damaligen Jugendwart des MGV  “Liederkranz” Herborn, Hermann Heidrich, die Funktion eines  Vorstandes  kommissarisch ausgeübt wurde, wählten die Sänger den ersten Vorstand aus  den eigenen Reihen: Horst P. Waszick, Dillenburg (Vorsitzender), Thomas  Jopp, Herborn (Kassierer) und Wilfried  JÃckel, Burg (Schriftführer).

Es soll nicht verschwiegen werden, dass es in den ersten Jahren auch  einen  Tiefpunkt gab. Infolge von Abgängen wegen Militärdienst und  Wohnungswechsel drohte 1972 die Auflösung des Chores. Man hatte bereits  die kleine Kasse durch einen letzten gemeinsamen Vereinsausflug nahezu  verbraucht. Doch fanden sich wieder, hauptsächlich durch Initiative und  Bemühungen ihres Chorleiters Ernst Schleich, einige Zugänge von Sängern  aus den Nachbarorten, genug idealistischer Sänger, die selbst oft eine  weite Anfahrt zu den ab 1972 von Uckersdorf in das Dorfgemeinschaftshaus  Guntersdorf verlegten Proben nicht scheuten, zusammen, um einen  leistungsfähigen Chor zu bilden.  Die Sängerzahl des Vereins, der sich  aufgrund des inzwischen gestiegenen Durchschnittsalters 1973 in MGV  “Jugendfreunde” Herborn umbenannte, pendelte sich in den  Folgejahrenschließlich zwischen 25 und 35 ein.

Der Grundgedanke des Chores, mit anspruchsvoller Literatur das  kulturelle Leben in Herborn und Umgebung zu bereichern, lebte in den  folgenden Jahren beständig fort. Nicht nur gelungene Wertungssingen,  sondern auch schöne und erfolgreiche Konzerte im In- und Ausland prägten  den Chor und haben seinen Bestand bis zum heutigen Tag gesichert.

Auch wenn dieser Verein, bedingt durch seine Struktur, im Laufe der  Jahre viele Sänger kommen und gehen sah (alle in der gesamten Zeit aktiven  Sänger zusammengefasst wäre der Verein heute über 100 Mann stark), hat er  sich seine Leistungsfähigkeit gerade durch das einzige “Auswahlprinzip” -  Idealismus und Gemeinschaftssinn - erhalten bzw. steigern können..

Das Jahr 1989 versetzte dem Verein einen herben Schlag, so dass sein  sonst so harmonisches Gefüge auseinanderzubrechen drohte. Ernst Schleich,  der geistige und moralische Vater des Chores, musste krankheitsbedingt  seinen Taktstock von heute auf morgen niederlegen. Wer sollte in  seinem  Sinne die Nachfolge antreten?

Hätte man sich nicht unbewusst über all die Jahre einen einigermaßen   gleichwertigen Ersatzdirigenten aus den eigenen Reihen herangezogen, so  wäre dies nach 1972 das zweite und diesmal “endgültige Aus” des Chores  gewesen. Jedoch in Thomas Jopp fanden die “Jugendfreunde”  einen würdigen  Dirigentennachfolger, der den Chor im Sinne seines Gründers mit großem  Engagement bis heute und auch hoffentlich weiterhin auf der  eingeschlagenen Straße des Erfolgs weiterführen wird.

Die Geschicke eines Vereines sind natürlich nicht nur von der Qualität  seines musikalischen Leiters abhängig, es gehört auch ein Quentchen  Organisationsarbeit dazu, ohne die eine Gemeinschaft nicht auskommt. Es seien hier, stellvertretend für alle fleißigen Hände der letzten 25 Jahre, die Vorsitzenden genannt:

1970-1973

Horst P. Waszick

1973-1975

Paul W. Klaas

1975-1980

Wolfgang Franz

1980-1983

Thomas Jopp

1983-1992

Manfred Becker

1992- heute

Hans  Möhle